Dienstag, 5. Mai 2009

Kampf gegen oder für den Menschen


Wer von uns ist wirklich bereit, auf Kämpfe gegen den Menschen zu verzichten, wenn er damit sogar Kriege verhindern kann?

Nicht nur Boxkämpfe, sondern all die sogenannten sportlichen Wettkämpfe, die von sehr, sehr vielen Menschen geschätzt werden, gehören zu den gegen den Menschen gerichteten Kämpfen. Wer daran zweifelt, sollte sich einmal fragen, ob es der Menschheit etwas besser geht, wenn der Verein A den Verein B in einem Fußball-Kampf besiegt, oder ob es der Menschheit schlechter geht, wenn das Ergebnis anders ist. – Dennoch wird kaum ein Anhänger dieser Kämpfe auf sein Vergnügen verzichten wollen.

Die Römer erfreuten sich an ihren Gladiatorenkämpfen, heute gibt es Fußball und Tennis.

Die Kämpfe gegen Hunger, Folter, mangelhafte Bildung, gegen jede Gewalt, das sind Kämpfe für die Menschheit.

Weshalb ist diese strenge Trennung erforderlich? – Sie vereinfacht das Verfahren, schädliche und letztlich auf einen Krieg zusteuernde Kämpfe herauszufinden. Kann nicht nachgewiesen werden, dass ein bestimmter Kampf der Menschheit zum Vorteil gereicht, dann gilt er als gegen den Menschen gerichtet. Ohne diese strenge Trennung muss in jedem Einzelfall nachgewiesen werden, dass ein Kampf gegen die Menschheit gerichtet ist, was erheblich schwieriger ist.

Die angeblich harmlosen Kämpfe im Sportbereich erweisen sich vor allem deswegen als schädlich, weil sie den Kampf gesellschaftsfähig machen.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr


Donnerstag, 30. April 2009

Verzicht als Mittel gegen Gewalt

Wie erklären wir unseren Kindern, dass es immer wieder Kriege gibt, obwohl angeblich so viele Menschen dagegen sind? Oder sind sie nur dann gegen Kriege, wenn sie selbst darunter leiden müssen?

Was sagen wir unseren Kindern, wenn wir die Möglichkeit hätten, Kriege zu verhindern, indem wir auf etwas verzichten, worauf wir nur äußerst ungern verzichten?

Was antworten wir unseren Kindern, wenn sie wissen wollen, worauf wir zu verzichten bereit sind?

Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr

Mittwoch, 15. April 2009

Heiliger Grund und Boden

Landbesitz - Eigentum an Grund und Boden - Eigentum an Diebesgut

Nicht nur Menschen mit übersteigertem Nationalgefühl zeichnen sich durch eine irrationale Vorstellung von einem fast zu etwas Heiligem verklärten und somit unantastbaren Eigentum an Grund und Boden aus, auch mancher Mensch von der Straße gehört dazu.

Dieser vermeintlich rechtmäßige Anspruch auf ein bestimmtes Stück Land entlarvt sich als eine häufige Ursache für Streit und sogar für Kriege. Deshalb erscheint es sinnvoll, dass wir uns einmal Gedanken darüber machen, wie es sich mit der Rechtmäßigkeit tatsächlich verhält.

Für gewöhnlich gilt jemand als rechtmäßiger Eigentümer einer Sache, wenn er sie entweder selbst hergestellt oder vom vorherigen rechtmäßigen Eigentümer rechtmäßig erworben oder als Geschenk erhalten hat. Mag die Kette rechtmäßiger Eigentümer auch noch so weit zurückreichen, am Anfang muss stets ein Herstellungsprozess stehen.

Auf Grund und Boden übertragen, stellt uns dieser Zusammenhang vor die Frage, wer das Land hergestellt hat. Schließlich kann doch nur er zu Recht beanspruchen, der erste rechtmäßige Eigentümer zu sein.

Sofern wir uns nicht auf mythische Überlieferungen berufen und Land als Geschenk einer Schöpfergottheit an bestimmte Völker oder sogar an einzelne Personen betrachten, müssen wir davon ausgehen, dass ursprünglich niemand rechtmäßiger Eigentümer des Grund und Bodens sein konnte, dass vielmehr die Gesamtheit allen Lebens als Besitzer zu gelten hatte. Dessen ungeachtet betrachten sich heute nicht nur Völker als rechtmäßige Eigentümer ihrer Staatsgebiete, auch viele Einzelpersonen halten den Anspruch auf Eigentum an dem mit ihrem Haus bebauten Grundstück für gerechtfertigt. Was ist geschehen?

Irgendwann in der Vergangenheit eigneten sich Menschen unrechtmäßig Land an, beraubten die Allgemeinheit dieses Landes, sie privatisierten es – um ein Fremdwort zu verwenden, dessen Ursprung die lateinische Übersetzung von berauben ist.

Jeder vermeintliche Eigentümer eines Grundstücks beansprucht Eigentum an Diebesgut, was wohl immer noch strafbar ist. Im Gegensatz zu vielen Menschen, die heute unwissentlich Diebesgut erwerben und dann entsetzt sind, dass sie es herausgeben müssen, weiß jeder Käufer eines Grundstücks, dass er Diebesgut gekauft hat und dass nur die lange Zeit, die seit dem Diebstahl verstrichen ist, ihn vor der Härte des Gesetzes bewahrt.

Es sei daran erinnert, dass Hitler antrat, um dem Volk ohne Raum zu mehr Land zu verhelfen. Letztlich erreichte er jedoch nur, dass das deutsche Staatsgebiet verkleinert wurde. Uns sollte auch nicht entgehen, dass dieses Volk ohne Raum in dem ihm verbliebenen Rest gut leben kann.


Mit freundlichen Grüßen

Wolf-Gero Bajohr

Freitag, 20. März 2009

Frei von Zwang und jeglicher Überwachung


Freitag, 20. März 2009

Frei von Zwang und jeglicher Überwachung


Gewissen – ein nur lästiges oder auch ein notwendiges Übel?

Nachdem wir dem Begriff "Gewissen" bereits einige Male begegnet sind, scheint jetzt ein geeigneter Augenblick für ein paar grundsätzliche Gedanken über diese jedem Menschen innewohnende Kontrollinstanz gekommen zu sein. Als kundige Reisebegleiter Adams sind es in erster Linie seine Eltern, die ihn im Rahmen ihrer Erziehungsbemühungen dazu bringen, ein mehr oder minder waches Gewissen zu entwickeln. Messen sie jedoch ihrem eigenen Gewissen keine positive Bedeutung bei, weil es nämlich ihre berufliche Karriere und auch die Bildung von Vermögen sehr wohl behindern, wenn nicht sogar völlig verhindern kann, dann haben sie es vielleicht schon längst zum Schweigen gebracht. In dem Fall wird vermutlich auch Adams Gewissen nicht den besonders kritischen Mahnern angehören und deshalb weder die Karriere noch das Anhäufen von Vermögen behindern. Ob in Adam ein kritisches Gewissen heranreift, hängt somit vor allem davon ab, was für Eltern ihm der Zufall beschert.

Zufallsergebnisse sind allerdings zwangsläufig mit dem Makel behaftet, nicht berechenbar und damit nicht verlässlich zu sein. Verträgt sich dieses mehr als fragwürdige Ergebnis eigentlich mit einer von sozialer Gerechtigkeit geprägten Leistungsgesellschaft? Bevor wir darauf die richtige Antwort geben können, müssen wir uns darüber klar werden, ob für die hier angestrebte Gesellschaft kritische Gewissen überhaupt von Nutzen oder gar notwendig sind. Wir werden dazu die folgenden Fragen zu klären haben: Kann ein Gewissen tatsächlich zum Wohle einer Gemeinschaft Aufgaben übernehmen? Gibt es vielleicht eine gute Alternative, oder ist sie wenigstens denkbar?

Wie Kinderspiele nur dann der eigentlichen Idee folgen und echte Freude bereiten können, wenn die Mitspieler alle Regeln einhalten, so hängt die Qualität einer Gesellschaft unter anderem davon ab, dass sich zumindest eine deutliche Mehrheit der Bürger an die Gesetze hält. Dem gegenwärtigen Menschen fehlt es jedoch viel zu oft an der erforderlichen Charakterstärke, um uns die wirkliche Sicherheit bieten zu können, dass er Gesetze auch dann befolgt, wenn ihm daraus Nachteile erwachsen. Ungeachtet einer gewissen Scheu, auch öffentlich dazu zu stehen, sollten wir zugeben, dass sogar ein Rechtsstaat das, was er für obligatorisch erklärt hat, gegebenenfalls erzwingen muss. Unsere Einsicht ändert aber nichts daran, dass wir für gewöhnlich jeder Art von Zwang ablehnend gegenüberstehen. Wer zu etwas gezwungen wird, wozu er ohnehin bereit ist, ärgert sich vermutlich kaum weniger als ein anderer, der zu etwas Ungewolltem gezwungen wird. Unter diese grundsätzliche Ablehnung fällt der Zwang nur dann nicht, wenn er sich einzig und allein gegen Menschen richtet, die Gesetze verletzen, und wir selbst zu diesen Unbotmäßigen natürlich nicht gehören.

Um Bereitwillige auf keinen Fall zu verprellen und die Widerspenstigen nicht davonkommen zu lassen, wird sich der Staat nach Möglichkeit darauf beschränken, Zwang lediglich dort auszuüben, wo ein Mangel an Bereitwilligkeit nicht zu übersehen ist. Wie lässt sich aber sicher feststellen, welcher der beiden Gruppen ein Adam zuzuordnen ist? Wollte der Staat eine vollkommene Sicherheit erreichen, müsste er jeden einzelnen Adam überall und zu jeder Zeit überwachen, umso mehr, als sich Adams Einstellung von Gesetz zu Gesetz und überdies mit der Zeit ändern kann. Wem käme angesichts einer derartig weit reichenden Überwachung durch den Staat nicht sogleich Orwells Schreckensvision eines totalitären Überwachungsstaates in den Sinn? Selbstverständlich wollen wir keinen Staat dieser Art. Trotzdem – und niemand sollte daran zweifeln – muss es uns als Gesellschaft oder unserem Staat möglich sein, auf fehlende Bereitwilligkeit, Gesetze zu befolgen, mit Zwang zu reagieren.

Das folgende Argument wird vermutlich kaum jemanden zu einer gravierenden Verhaltensänderung veranlassen. Es soll uns jedoch zumindest etwas nachdenklich stimmen. Wer stets einwandfrei handelt, brauchte eigentlich keine Überwachung zu fürchten. Er hätte im Gegenteil sogar einen Grund, sich darüber zu freuen, denn dadurch würde sein guter Charakter für andere sichtbar. Trotzdem beschleicht uns ein mehr als unangenehmes Gefühl bei dem Gedanken, ständig überwacht zu werden, und dieses Gefühl kann sich bis zu panischer Angst oder zu offener Empörung steigern. Möglicherweise ist es nur ein Symptom dafür, dass wir uns nicht völlig sicher sind, in jedem Augenblick und in jeder Hinsicht korrekt zu handeln, oder wir verdächtigen staatliche Organe, dass sie selbst das auf edelsten Motiven basierende und ethisch einwandfreie Handeln gegen uns verwenden. Als ein Beispiel sei auf einige wirklich starke Charaktere hingewiesen, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft trotz drohender Strafen unschuldig Verfolgten zu helfen wagten.

Einerseits lehnen wir jede umfassende Kontrolle strikt ab, andererseits sind wir offensichtlich darauf angewiesen. Etwas abzulehnen, was wir nichtsdestoweniger brauchen, das ist unverkennbar eine Zwangslage. Da wir jedoch auf keiner antiken Theaterbühne stehen, wo uns ein Deus ex Machina zu Hilfe eilen könnte, müssen wir wohl selbst nach dem Ausweg aus diesem Dilemma suchen, es sei denn, die Funktion eines Gottes aus der Maschine und Retters in höchster Not trauen wir unserem Gewissen zu. Genau dafür bietet es sich in der Tat an. Indem wir nämlich Adams Überwachung seinem eigenen Gewissen übertragen, ziehen wir einen Vorteil daraus, dass der Überwacher immer anwesend ist und ihm folglich vom Tun und Lassen Adams nichts entgeht, selbst geheimste Gedanken bleiben dem Gewissen nicht verborgen. Zugegeben, auch wenn wir uns nur vom eigenen Gewissen überwachen lassen, bleibt es eine Überwachung und wird von uns insofern als ein Übel gewertet. Was dieses Unangenehme jedoch etwas mildert, ist der Tatbestand, dass wir unser Gewissen als einen Teil von dem betrachten, was unser Ich ausmacht: Wir überwachen uns somit selbst, woran wir im Allgemeinen nichts Demütigendes finden, zumindest nichts, was der Überwachung durch andere auch nur annähernd gleichkäme.

Die Überwachung eines Menschen dem eigenen Gewissen zu überlassen mutet uns an wie eine Lösung, die Unvereinbares wirklich zu vereinbaren scheint, eine Lösung also, mit der wir rundherum zufrieden sein könnten. Allerdings birgt sie ein Problem. Rührt sich Adams Gewissen im Zusammenhang mit einer Handlung nicht, sind hierfür zwei sich grundsätzlich unterscheidende Gründe denkbar: Entweder ist sein Gewissen betäubt, wenn nicht sogar tot, oder es findet an Adams Tun nichts Verwerfliches. Aus dem Umstand, dass Adams Gewissen schweigt, lässt sich daher nicht ableiten, dass Adam keine verwerflichen Taten begeht.

Zu einer der oben gestellten Fragen zurückkehrend, sei als ein Zwischenergebnis festgehalten, dass unser Gewissen durchaus eine Aufgabe für die Gemeinschaft übernehmen kann und sollte, nämlich die zurzeit vom Staat ausgeübte und im Allgemeinen von Betroffenen als sehr unangenehm empfundene Überwachung durch eine Selbstkontrolle zu ersetzen. Ob ein Gewissen diese Kontrollaufgabe überhaupt erfüllen kann und wie gut, hängt von seiner Qualität ab. Für uns ergibt sich daraus bedauerlicherweise, dass unser Gewissen nur bedingt tauglich ist. Während uns das hellwache, äußerst kritische und stets mahnende Gewissen ein gewichtiges Argument dafür liefert, auf die ungeliebte Überwachung durch den Staat zu verzichten, verhindert das schlafende, erst recht das tote Gewissen diese Möglichkeit. Niemand unter uns Menschen hat die Gabe, tief genug in einen Mitmenschen einzudringen, um bar jeden Zweifels erkennen zu können, ob das Gewissen von hinreichender Qualität ist. Unsere Konsequenz ist einfach. Vom ungünstigsten Fall ausgehend, meinen wir, dem Gewissen die Eignung zur Überwachung absprechen zu müssen. Das wäre jedoch überzogen, immerhin gibt es überzeugende Gründe, an der Kontrolle durch das Gewissen festzuhalten.

Unser Mangel an Vertrauen gründet insbesondere auf dem nicht zu leugnenden Tatbestand, dass wir als Außenstehende Adams Gewissen nicht ansehen können, ob es ihn verlässlich kontrolliert. Schließen wir einmal die der Science-Fiction entliehene Möglichkeit, wir könnten uns alle zu Telepathen entwickeln, aus, dann werden wir auch zukünftig nicht über die Gabe verfügen, in Adam hineinzusehen. Wir können somit bei niemandem voraussetzen, dass er in jedem Fall über ein lebendiges Gewissen verfügt; vertretbar ist lediglich, von einer gewissen Wahrscheinlichkeit auszugehen. Das ist aber keineswegs so wenig, wie es zunächst zu sein scheint, denn die Wahrscheinlichkeit wächst mit der Anzahl der Menschen, deren Gewissen stark genug ist, um die Kontrollaufgaben zu bewältigen. Hier sind erneut wir Eltern gefordert; denn in dem Umfang, wie wir unseren Kindern zu einem wachsamen und unerbittlich mahnenden Gewissen verhelfen, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmter Adam über ein lebendiges Gewissen verfügt und dass wir ihm genau deshalb vertrauen dürfen.

Den totalen Überwachungsstaat als eine Alternative vor Augen, sollten wir wohl doch lieber dem Gewissen zutrauen, die Überwachung übernehmen zu können. Zwar bietet es nicht die vollkommene Sicherheit, aber was bedeutet das für uns? Müssen wir zwischen einer Lösung, die uns gar nichts Gutes erbringt, und einer weiteren, bei der nicht alles gut ist, wählen, fällt unsere Wahl sicherlich auf das Letztere, auf das kleinere Übel – oder positiv ausgedrückt – auf die für uns bessere Alternative. Sie ist es umso mehr, als sich hier ein auf das Gewissen bezogenes "nicht alles gut" sehr wohl zu "fast alles gut" wandeln kann. Je mehr Eltern sich ernsthaft und selbstverständlich erfolgreich bemühen, ihrem heranwachsenden Adam zu einem lebendigen Gewissen zu verhelfen, desto seltener beschränken wir uns auf die vage Aussage, ein ganz bestimmter Mensch verfüge wahrscheinlich über ein waches Gewissen. Mit zunehmender Berechtigung ist uns zu behaupten erlaubt, es sei Adam höchstwahrscheinlich eigen, und schließlich vielleicht sogar, mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Nach unseren vorangehenden Überlegungen scheint es nun gerechtfertigt zu sein, die Kontrolle durch unser Gewissen als annehmbare Alternative zur nicht gewollten staatlichen Überwachung gelten zu lassen. Zu dieser Meinung stehen wir trotz des nicht zu leugnenden Mangels an Sicherheit, zumal er umso mehr an Bedeutung verliert, je wahrscheinlicher es wird, dass Adam über ein hellwaches und äußerst kritisches Gewissen verfügt und sich von ihm auch leiten lässt.

In einem weiteren Gedankenexperiment wollen wir einmal unterstellen, ausnahmslos jeder einzelne Adam verfüge über ein ideales Gewissen und er richte sich ohne Einschränkung nach dessen Weisungen. Wir hätten also das Beste erreicht, was uns das Gewissen zu ermöglichen vermag, und zweifellos eine gute Alternative zu der abgelehnten Überwachung durch den Staat gefunden – aber wäre es auch die optimale Lösung schlechthin, oder gibt es vielleicht eine weitere und noch bessere Alternative?

Ja, es gibt diese Alternative, oder – etwas vorsichtiger formuliert – sie ist zumindest vorstellbar. Es erweist sich allerdings als ein wahrhaft kühnes Unterfangen, sie in die Tat umzusetzen, auf jeden Fall gestaltet es sich noch viel schwieriger als das bereits nicht gerade leichte Vorhaben, jedem Heranwachsenden zu einem funktionstüchtigen Gewissen zu verhelfen. Nichtsdestoweniger sollte uns keine wie auch immer geartete Schwierigkeit abschrecken, denn schließlich bietet uns diese Alternative den großen Vorteil, von Zwang und jeglicher Überwachung frei zu sein. Sie beruht auf der Überzeugung, dass wir uns eines bestimmten Verhaltens umso sicherer sein können, je weniger es von fremden Einflüssen bestimmt wird, wie Lob und Tadel, Belohnung oder Angst vor Strafe. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage, warum jemand so handelt, wie er handelt; es geht somit erneut um die Motivation.

Folgen wir dem, was Mythen und religiöse Schriften uns erzählen, dann scheint allen Göttern eines gemein zu sein: Götter handeln, wie sie handeln, weil sie genau so handeln wollen. Einzig ihr Wille bestimmt ihr Tun und Lassen; eine Entscheidungshilfe erübrigt sich somit. Selbstverständlich maßen wir uns nicht an, uns mit Göttern zu messen oder gar selbst zu einem Gott werden zu wollen. Dennoch könnten wir danach streben, aus niederdrückendem Müssen ein erhebendes Wollen entstehen zu lassen; sodass ebenfalls wir Menschen schon allein deshalb richtig handeln, weil es unser fester Wille ist. Einer eventuellen Kritik vorbeugend, versichern wir aus innerer Überzeugung, dass es keineswegs ein Beweis für Hybris ist, wenn wir uns ernsthaft darum bemühen, eine der vielen und bisher ausschließlich Göttern vorbehaltenen Eigenschaften zu einem weiteren Wesensmerkmal des Menschen werden zu lassen.


Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr

Donnerstag, 19. März 2009

Vom Säugling zum starken Menschen

Donnerstag, 19. März 2009

Vom Säugling zum starken Menschen

Unser Ziel ist der starke Mensch. Seine Stärke zeigt sich daran, dass er nicht fremdbestimmt ist, er lässt sich sein Handeln nicht von Gier, Hass, Neid oder der Neigung zu Gewalt diktieren, er entscheidet selbst. Bei all seinen Entscheidungen ist ihm bewusst, dass er für sein Tun und Lassen verantwortlich ist.
Mit einem Schrei und beseelt von dem Willen, zu überleben, so tritt der neue Mensch seinen Lebensweg an. Dieser noch völlig ichbezogene Säugling soll während seiner Entwicklungsjahre zu der Persönlichkeit heranreifen, die schließlich willens und fähig ist, die erhoffte menschenwürdigere Gesellschaft zu formen.
Nach christlich-jüdischer Überlieferung hieß der erste Mensch Adam. Da die starke Version eines Menschen gewissermaßen ein neuer Mensch sein wird, wollen wir ihn ebenfalls Adam nennen.
Wir stellten bereits fest, dass sich der heranwachsende Adam nicht ohne Hilfe entwickeln kann. Er braucht für seine Reise vom Säugling zum Erwachsenen Begleiter, sozusagen Reisebegleiter.
Eltern und Gesellschaft sind ausersehen, dem jungen Adam zu helfen.

Bevorzugung oder Gerechtigkeit
Während Eltern ihr Kind auf seinem Weg zum Erwachsenen begleiten, übernehmen sie unter anderem die Aufgaben eines Mittlers zwischen den Forderungen der Gesellschaft und den Erwartungen ihres Kindes. Gesellschaften mit dem Anspruch, sozial gerecht zu sein, ist selbstverständlich an ein hohem Maß an Gerechtigkeit gelegen, wohingegen Kinder keineswegs nur gerecht, sondern zumindest hin und wieder einmal bevorzugt behandelt zu werden hoffen. Im Widerstreit zwischen diesen entgegengesetzten Möglichkeiten werden verantwortungsvolle Eltern schnell erkennen, dass eine dem Ideal nahe kommende Erziehung weder dem einen noch dem anderen Extrem zuneigen darf, dass sie vielmehr einem Mittelweg folgen muss, dabei bis zu einem gewissen Grad beide Extreme berücksichtigend. Wenigstens von den eigenen Eltern das eine oder andere Mal zu erfahren, dass ihm schon seine Existenz allein zu einem privilegierten Platz verhilft, übt fraglos einen positiven Einfluss auf Adams Entwicklung aus, indem es nämlich einem verhängnisvollen Mangel an Selbstwertgefühl vorbeugt. Doch nicht nur dem Mangel ist vorzubeugen, sondern ebenso einem Zuviel an Selbstwertgefühl, das heißt der Überheblichkeit, sodass Eltern spätestens dann nicht über das gerechte Maß hinausgehen, wenn die Bevorzugung ihres Kindes einen nicht mehr zu rechtfertigenden Nachteil für die Gemeinschaft zur Folge hätte.

Auf ihrer Suche nach einem Kompromiss zwischen dem vom Gefühl diktierten und unschwer nachzuvollziehenden Wunsch, das eigene Kind zu bevorzugen, und der von ihrem Verstand entgegengesetzten Forderung, sich um die im Sinne einer würdigeren Gesellschaft unverzichtbare Gerechtigkeit zu bemühen, auf dieser Suche zeigen Eltern Weitblick, wenn sie ihren Adam möglichst oft dazu bringen, den engsten und für gewöhnlich mit der einen oder anderen Ausnahmeregelung versehenen familiären Bereich zu verlassen. Denn ohne dass die Eltern ausdrücklich darauf hinweisen müssen, lernt der junge Adam im Umgang mit seinen Cousins und Cousinen sowie mit Kindern aus nicht verwandten Familien, Erwartungen und Wünsche nicht an maximal Vorstellbarem, sondern einzig und allein an Realisierbarem auszurichten. Mit anderen Kindern zu spielen kann für Adam sogar noch über die Freude hinaus ein Gewinn sein. Es zeigt ihm vielleicht, was praktizierte Gerechtigkeit im konkreten Einzelfall tatsächlich bedeutet und dass es manchmal in seinem eigenen Interesse ist, sich um eine gerechte Lösung zu bemühen. Falls er das letzte Stück seines Lieblingskuchens mit seiner Mutter zu teilen beabsichtigt und sie ihm nicht ohnehin schon das ganze Stück überlässt, darf er sich sehr oft auch dann als Erster ein Teilstück aussuchen, wenn er selbst es war, der das letzte Stück Kuchen zweigeteilt hat. Gilt es jedoch, den Kuchen möglichst gerecht zwischen zwei Kindern aufzuteilen, ist der Ablauf etwas anders. Während das eine Kind den Kuchen teilen darf, ist das andere bei der Auswahl der Erste. Diese Vorgehensweise führt dazu, dass sich das teilende Kind sehr anstrengen wird, beide Kuchenstücke möglichst gleich verlockend aussehen zu lassen. Anderenfalls müsste es sicherlich davon ausgehen, dass das andere Kind nach dem besser aussehenden Stück greift und ihm selbst dann nur das weniger gute verbleibt.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr


Dienstag, 17. März 2009

Kinder überwinden Hass, Gier, Neid und Gewalt

Dienstag, 17. März 2009

Kinder überwinden Hass, Gier, Neid und Gewalt,

wenn sie die richtigen Reisebegleiter auf ihrem Weg vom Säugling zum Erwachsenen haben. Kundige Reisebegleiter wissen, wann ihr Schutzbefohlener eines Reiseführers bedarf und wann es dagegen ausreicht, ihm ein schlichter Weggefährte zu sein.

Auf der Suche nach infrage kommenden Anwärtern für diese wahrhaft verantwortungsvolle Aufgabe richtet sich unser Blick auf seine Eltern, auf die von der Natur selbst vorgesehenen Reisebegleiter.


Eltern – die natürlichen Reisebegleiter


Sofern nicht durch Widrigkeiten daran gehindert, sehen sich vor allem die Eltern in der Pflicht, ihr Kind während der ersten Lebensjahre zu begleiten. Diesem Tatbestand sollten wir eine große Bedeutung beimessen, und zwar deshalb, weil Einflüsse auf einen Menschen umso nachhaltiger sind, je jünger er ist. Folglich können gerade Eltern weit stärker noch als alle Übrigen an der Erziehung Beteiligten dazu beitragen, die Entwicklung des Kindes in genau die Richtung zu lenken, die am Ende zu der von uns gewünschten gerechteren Gesellschaft führt. Es hängt also vor allem von den Eltern ab, ob in ihrem Nachwuchs das für die Herausbildung einer gefestigten Persönlichkeit erforderliche Fundament überhaupt vorhanden ist oder ob er letzten Endes zu den Menschen gehören wird, die sich - einem toten Blatt gleich - von entstehenden und dann wieder vergehenden Strömungen mal in die eine, mal in die andere Richtung treiben lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolf-Gero Bajohr

Montag, 16. März 2009

Lasst die Kinder zu mir kommen

Montag, 16. März 2009
Lasst die Kinder zu mir kommen


Auch wenn man an Jesu Göttlichkeit nicht glauben kann oder will, an der Überzeugung, dass der in den Evangelien geschilderte Jesus zumindest ein guter Mensch war, kommt man nicht so leicht vorbei. Ich finde darüber hinaus auch, dass er ein geschickter Mensch war. Er wusste, dass er die Zukunft beeinflussen kann, wenn er die Kinder für seine Überzeugung gewinnt.
Wir Erwachsenen wurden in eine Welt voller Hass, Gier, Neid und Gewalt hineingeboren. Im Laufe der Jahre haben wir uns mit den Regeln mehr oder weniger gut arrangiert. Einige von uns sind derart fest eingefügt, dass sie sich eine andere Gemeinschaft gar nicht vorstellen können. Andere hingegen sind der Auffassung, dass es ein unerträglicher Gedanke wäre, hätten wir nicht wenigstens die Hoffnung, dass unser Zusammenleben besser werden kann.
Für eine Zukunft ohne Hass, Gier, Neid und Gewalt, dafür aber mit einem hohen Maß an Verantwortlichkeit, angemessener Achtung vor dem Andersartigen und der Fähigkeit zu kritisieren und Kritik zu ertragen, für diese Zukunft sollten wir offen sein, denn von ihr würden fast alle profitieren.
Wie kommen wir in diese bessere Zukunft? Den Weg zu ihr mit Gewalt zu finden, ist nicht ratsam, denn was mit Gewalt beginnt, bleibt der Gewalt verpflichtet.
Ein um vieles besserer Weg ist es, unsere Kinder und Enkel zu starken Menschen werden zu lassen. Sie werden sich dann die geeignete Gesellschaft aufbauen und verteidigen.
Den Weg zum starken Menschen schaffen die Kinder und Enkel natürlich nicht allein. Hilfe erhalten sie von Eltern und der Gesellschaft als Ganzem.
Diesen Helfenden muss es allerdings völlig klar sein, dass es nicht nur um das Was geht, sondern auch um das Wie. Es wäre zum Beispiel völlig sinnlos, wollten wir unseren Kindern moralische Werte nahebringen, indem wir sie ihnen einprügeln.
Die Eltern sind insbesondere dafür verantwortlich, dass der junge Mensch ein funktionstüchtiges Gewissen entwickelt. Die Domäne der Gesellschaft ist hingegen dort, wo Quantität und die darauf zurückzuführende Macht gefragt sind. Indem wir als Gesellschaft ein bestimmtes Verhalten belohnen, ignorieren oder verurteilen, bestimmen wir letztlich, ob es sich durchsetzt oder nicht. Um unserer Glaubwürdigkeit willen tragen wir zudem dafür Sorge, dass es keinen Unterschied zwischen erfolgreichem und dem von uns gewünschten Verhalten gibt.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr