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Die Bedeutung des ersten Gebotes wird oft unterschätzt. Wie groß sie wirklich ist, zeigt sich spätestens, wenn sich die Menschen ihrer Verantwortlichkeit nicht bewusst sind. Während der Diktatur der Nationalsozialisten beteiligten sich etliche Millionen Angehörige unseres Volkes an grausamen Verbrechen, und zwar entweder als Ausführende direkt oder als scheinbar harmlose Mitläufer indirekt, indem sie nämlich Hitler und seine Helfershelfer lautstark bejubelten und damit Zustimmung bekundeten. Die Gesellschaft war nach dem sogenannten Führerprinzip organisiert, woraus geschlossen wurde, dass sich die Menschen auf Hitlers Befehle berufen und jede eigene Verantwortlichkeit leugnen könnten. Nur Hitler selbst stand dieser vermeintliche Ausweg nicht offen – bekanntlich entzog er sich der Strafverfolgung durch Suizid.
Hätten die Menschen, die von ihrer Verantwortlichkeit wussten, über ausreichend Kraft verfügt, um die Diktatur zu verhindern? Die Antwort auf diese Frage lässt sich nicht mit letzter Sicherheit geben. Wir können jedoch davon ausgehen, dass es den Machthabern umso schwerer gefallen wäre, die verhängnisvolle nationalsozialistische Diktatur zu errichten, je mehr Menschen gewusst hätten, dass sie als Mitläufer nicht weniger verantwortlich waren als die direkten Täter.
Jeder Einzelne ist für sein Tun und Lassen verantwortlich. Wie ein Beispiel zeigen wird, reicht seine Verantwortlichkeit sogar noch weiter, und zwar bis zu den Folgen seines Handelns. Wer vom Dach eines Hochhauses Steine wirft und so einen Menschen erschlägt, hat nicht nur das Werfen der Steine zu verantworten, sondern auch den Tod des Opfers, und zwar selbst dann, wenn er auf den Menschen gar nicht gezielt hat.
Sicherlich hat der aufmerksame Leser längst herausgefunden, dass es keinesfalls reicht, sich seiner Verantwortlichkeit bewusst zu sein. Das kann nur der erste Schritt sein. Wirkt sich jemandes Wissen nicht auf sein Verhalten aus, ist es für die Gemeinschaft ohne Belang.
Die gesicherte Erkenntnis, für alles verantwortlich zu sein,
was wir beeinflussen können, soll unser Handeln bestimmen.
Im nächsten Post werden wir erfahren, dass entscheiden und verantworten zusammengehören.
Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Gero Bajohr
